Welche Faktoren beeinflussen
den Ölpreis?
Nirgends spiegeln sich Weltpolitik, WirtschaftsentwicklungÖlpreis und gesellschaftliche Veränderungen so stark wie
im Öl und dem Ölpreis.
Öl ist der Schmierstoff der Weltwirtschaft, das
Ölpreis Ölgeschäft ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige,
unter den grössten Konzernen der Welt sind zahlreiche
Ölfirmen. Ölprodukte finden sich in verschiedensten
Gütern des täglichen Bedarfes. Sie sind aus
einem modernen Haushalt nicht wegzudenken.
Haupteinflussfaktoren auf den Ölpreis
sind einmal alle Kriterien auf der Angebots-Seite. Dabei
Ölpreis handelt es sich u.a. um die bekannten, ungeförderten
Ölreserven (Reichweite) sowie um die täglich
produzierte, weltweite Rohölmenge. Bei den bekannten
Ölreserven wird nicht nur um die Begriffs-Definition
an sich gestritten – sie erschüttern auch
mal die Bilanz wichtiger Ölkonzerne und je nach
Höhe der Ölpreise
wird es wirtschaftlich, schwerer zugängliche Reserven Ölpreis zu erschliessen. Das führt seit fünfzig Jahren
zu einem dauernd verschobenen Ende des Ölzeitalters.
Solange, bis es sich wieder lohnt, die nächst teureren
Ölreserven anzugehen. Der Welt wird das Öl
vermutlich nicht ausgehen – aber der Ölpreis
wird irgendwann unerschwinglich hoch sein.
Mit rund 40% Marktanteil bestimmen die Länder,
die in der OPEC (Organisation of Petroleum Exporting
Countries) ihre Interessen bündeln, eine Rolle
bei der Ölpreis-Bildung.
Drehen die OPEC-Staaten am Ölhahn, hat dies unmittelbare
Auswirkungen auf den Ölpreis.
Der Spielraum zwischen Angebot (um 85.4 Mio. Barrel
pro Tag) und Nachfrage (um 85 Mio. Barrel pro Tag) ist
in den vergangenen Jahren enger geworden, längere
Unterbrüche der Förderkette vom Bohrloch bis
zum privaten Tank bleiben nicht ohne Folgen für
den Ölpreis.
Folgt man der Verarbeitungs-Kette, spielen die verfügbaren
Raffinerie-Kapazitäten und die Öl-Vorräte
in den wichtigen Industrienationen eine Rolle.
Auf der Nachfrage-Seite spielen Konsum-Gewohnheiten
in den grössten Ölverbraucher-Ländern
eine Rolle. Die USA sind mit einem Weltmarktanteil von
25% die grösste Ölverbraucher-Nation, gefolgt
von China und seiner hoch drehenden Volkswirtschaft
mit Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich.
Würde es diesen Ländern gelingen, europäisches
Konsumverhalten im Umgang mit fossilen Ressourcen zu
erreichen, die Welt würde sozusagen im Öl
'schwimmen’, der Ölpreis
würde stark sinken und damit alternative Energieträger
wieder unattraktiver machen. Im Ölland USA sind
trotzdem erste Anzeichen eines vernünftigeren Umganges
der Automobilindustrie mit dem Rohstoff 'Benzin’
erkennbar. China ist davon nicht nur weit entfernt,
die Wirtschaft zeichnet sich auch noch durch ineffizienten
Umgang mit Brennstoffen aus. So wird etwa Elektrizität
in unzähligen Kleinbetrieben mit Diesel- oder Benzin-Generatoren
gewonnen. Eine deutliche Treibstoff-Nachfragesteigerung
wird zudem durch die wachsende chinesische Mobilität
erwartet.
Kaum ein Verteilkampf um den lukrativen Rohstoff bleibt
ohne Folgen für den Ölpreis.
Aktuell handelt es sich dabei um Konflikte in Irak,
Iran, Sudan (Darfur), Nigeria oder Venezuela. Frühere
Krisen, bei denen Öl, Öl-Durchleitungs-Streitereien
und damit der Ölpreis
wichtig waren, sind Kuwait, Libyen, Angola, Venezuela,
Tschetschenien / Russland. Nur wenige Länder wie
etwa Norwegen setzen ihren Öl-Reichtum und den
lukrativ hohen Ölpreis
langfristig gewinnbringend zum Nutzen der ganzen Bevölkerung
ein, in der überwiegenden Zahl der Fälle führt
der Verteilkampf um Macht und Ölvorkommen zur Bevorteilung
einzelner Familien oder Bevölkerungs- und Religionsgruppen
(Iran, Libyen, Angola, Kuwait, Saudi Arabien, Sudan,
Irak, um bei den jüngsten Krisen zu bleiben).
Aufgrund der knappen Differenz zwischen Angebot und
Nachfrage haben auch längere Produktions-Unterbrüche
als Folge von Naturkatastrophen während längerer
Zeit unmittelbar Einfluss auf den Ölpreis.
Die Hurrican-Serie im August 2005 sorgte mit der Zerstörung
wichtiger Teile der Raffinerie-Industrie im Süden
der USA für ein rekordhohe Ölpreise,
die sich damals erst nach rund einem halben Jahr wieder
normalisierten.
Der Ölpreis
ändert sich im Gegensatz zu jenen Zeiten, als Öl
noch kein Börsengut war, sekündlich. Massgebend
für die Ölpreis-Gestaltung
sind die beiden internationalen Rohwarenbörsen
in New York (Nymex, New York Mercantile Exchange) und
London (ICE, International Commodity Exchange). An diesen
beiden Börsenplätzen wirken alle erwähnten
Einflussfaktoren auf den Ölpreis
ein und bestimmen mit dem Preis für den wichtigsten
Rohstoff der Welt weit mehr als nur die Entwicklung
der Weltwirtschaft.
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